Gedenken zum 12.März 1938

Gedenken zum 12. März 1938 im Kino Klosterneuburg am Rathausplatz

Am Abend des 11. März 1938 fand am Rathausplatz in Klosterneuburg ein Fackelzug zur Begrüßung einer neuen Ära statt.

Am 12. März 1938 wehten die Hakenkreuzfahnen von dem Haus, in dem wir uns befinden. Heute vor 70 Jahren verschwand Österreich von der Landkarte. Klosterneuburg verschwand von der Landkarte. Diejenigen, die gegen das neue Regime waren, verschwanden.

Die bis zu diesem Zeitpunkt in Klosterneuburg lebende jüdische Gemeinde verschwand. Gedemütigt in so genannten Reibpartien, der Tempel in Brand gesetzt und geschändet, ihrer Menschenwürde beraubt, nicht nur ihr Hab und Gut zurücklassend, sondern auch ihre Lieben, die am Klosterneuburger Friedhof in der Holzgasse ihre letzte Ruhe gefunden hatten.

Als der Vorstand des Komtees zur Erahltung des jüdischen Friedhofes in Klosterneuburg im Dezember 2007 beschloss, dieses historischen Tages zu gedenken, ins Kino Klosterneuburg zu einer Vorführung von "Die Fälscher" und einer Diskussion mit Regisseur Stefan Ruzowitzky einzuladen, war von einer Oscar- Nominierung noch keine Rede.

Mit der Oscar-Verleihung gab es plötzlich reges Interesse an unserem Komitee und der Veranstaltung im Kino. Die Telefone läuteten unentwegt, binnen kürzester Zeit war das Kino bis auf den letzten Platz ausreserviert. Und die Anfragen richteten sich ausschließlich darauf, "kommt ER oder kommt ER nicht".

Er kam. Das Foto (NÖN-Klosterneuburg) zeigt ihn mit der Kinobesitzerin Frau Münch. Wenn auch ohne Oscar. Er stand Rede und Antwort. Er diskutierte. Er ließ sich geduldig mit Besuchern fotografieren. Er signierte DVD`s, Autogrammbücher und Weinflaschen.

Seit Bestehen des Komitees gab es Unterstützung von vielen Seiten, von vielen Persönlichkeiten, aber was Stefan Ruzowitzky an Popularität für unsere Anliegen brachte/bringt, ist mit all dem unvergleichlich.

Er hat einen beachtenswerten Film gedreht, zum Teil auch in Klosterneuburg, er hat die Zeit von 1938 bis 1945 aus einem besonders bedrückenden Blickwinkel eingefangen: Kollaboration oder Sabotage. Leben oder Tod. Diesem Dilemma waren die Häftlinge im KZ Sachsenhausen ausgesetzt, als sie dem streng geheimen Unternehmen Bernhard zugeteilt wurden. Fälschen und leben, verweigern und sterben, das waren die Perspektiven. Stefan Ruzowitzky hat eine goldene Statue für einen wichtigen Film erhalten. Und er hat trotz all dem Rummel um seine Person nach der Verleihung an das Komitee, an den jüdischen Friedhof in Klosterneuburg gedacht, als er zustimmte, dass das Weingut des Stiftes Klosterneuburg ihm zu Ehren einen Oscar-Fälscher-Wein herausbringt, allerdings unter der Voraussetzung, einen Beitrag aus dem Verkaufserlös des Weines an unser Komitee zu spenden. Der Wein, "The Winner", wurde in limitierter Auflage verkauft, 500 Euro wurden gespendet.

Ein besonderer Dank auch an die Kinobesitzerin Frau Christine Münch, die auf die Kinomiete zu Gunsten des jüdischen Friedhofes verzichtete. Und herzlichen Dank an alle, die die Spendenkörberl gefüllt haben.

 

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